Die Farbe gestromt

bei den Xigous, Nachfahren der Persischen Tazis

 

Kaum ein Thema um den Saluki hat die Gemüter derart erhitzt, wie der Streit um die Farbe gestromt. Die eine Partei ist davon überzeugt, daß sie genauso zu den Farben bei Salukis zählt, wie grizzle, gescheckt, rot, black & tan usw.

Die andere Partei lehnt diese Farbe vehement als rassereine Farbe bei Salukis ab. Sie meinen, diese gestromten Salukis seien Mischlinge. Doch woher kommt diese Annahme?

Zunächst einmal ist England hier federführend, und das ist durchaus verständlich, betrachtet man dortige Traditionen. In England wird immer noch mit Hunden gejagt wenn der Landbesitzer es erlaubt. Viele Leute wildern aber immer noch mit ihren Hunden. Diese Leute stehlen zum Teil Salukis aus Gärten und sogar Häusern, um mit ihnen zu züchten. Dabei vermischen sie Rassen, es können Grey-Salukimischlinge sein, auch Terrier werden hineingekreuzt, weil sie sich dabei noch bessere Hetzjäger erhoffen. Auf diese Art und Weise entstehen natürlich auch getromte Hunde, die wie reinrassige Salukis aussehen, aber nicht sind. Daß seriösen Züchtern dabei die Haare zu Berge stehen, ist verständlich.

Es wird auch gerne der Einfluß von Greyhounds in die Salukipopulation in den Ursprungsländern als Argument bemüht, als Engländer dort Kolonialherren waren.

Das alles hat sicher seine Berechtigung, und ist nachzuvollziehen. Um nun bei dieser Kontroverse der Sache auf den Grund zu gehen, hilft nur ein Blick in die Historie. Und dazu gehen wir etwa 5 000 Jahre zurück.

Vor 5 000 Jahren gab es Salukis im späteren Persien, das ist belegt. Nicht belegt sind sie in anderen Ursprungsländern die wir heute als solche betrachten, bzw. noch nicht betrachten. Diese sind das heutige Arabien, Emirate, Türkei, um einige zu nennen. Ursprungsländer, die wir derzeit innerhalb der FCI noch nicht als solche definieren, sind Indien, Zentralasien und China, um auch hier Länder / Regionen herauszugreifen.

Vor etwa 4 000 Jahren wurden Handelswege für Karawanen eingerichtet. Der Geograph Ferdinand von Richthofen gab Mitte des 19. Jahrhunderts dieser Handelsroute den Namen Seidenstraße, unter dem sie berühmt wurde. Natürlich wurden auch etliche andere Güter ausgetauscht. Die Händler reisten allerdings nicht die ganzen etwa 7 000 km, sondern immer nur bestimmte Etappen hin und zurück.

Die ersten 4 000 km führten durch China. Man stellte Karawanen mit unzähligen Kamelen in Xi‘an zusammen, zog nach Lanzhou – Anxi – Hami – Turhan – Kashgar – Taschkent – Samarkand – Bukhara – Ashgabat – Teheran – Tabriz – Ankara – Istanbul und zurück. Dabei gab es noch etliche Seitenrouten, Zubringer würde man heute sagen. Es war eine gewaltige Handelsroute, auf der es neben allen tauschbaren Gütern auch zum Austausch von Kulturen kam. Man war multikulturell und profitierte voneinander, ohne Repressalien gegenüber Andersdenkenden zu haben. Die Händler zogen nur ihre jeweiligen Etappen hin und zurück, nicht etwa die gesamte Strecke. Dabei wurden auch Salukis aus Persien mitgenommen, sei es, um unterwegs mit ihnen zu jagen, oder als Geschenke.

Darius I. regierte das Großpersische Reich von 522 - 486 v. Chr. An der chinesischen Grenze war allerdings Schluß, die Chinesen schotteten sich zunächst mit ihrer Mauer ab. Weiß eingezeichnet sind die heutigen Grenzen.

Die Windhunde wurden entlang der Seidenstraße im Laufe der Zeit bis hin vor China heimisch, sie veränderten sich zu neuen Schlägen, Varitanten des persischen Tazi durch Anpassung an ihren neuen Lebensraum, durch die potentielle Beute und den Zeitgeschmack ihrer Besitzer.

Die erste urkundliche Erwähnung fanden nachfolgende Hunde in der Tang Dynastie, deren Mitglieder von 618 bis 907 regierten und an der Macht waren. Ihnen ist die Öffnung zum Westen hin zu verdanken.  Die Sogdiana, dem Persischen Reich zugeschlagen, später den Türken angegliedert, lebten im Gebiet des heutigen Tatschikistan weit östlich vom Kaspischen Meer in der relativen Nähe zum Pamir Gebirge.  Sie schenkten den Adeligen der Tang Dynastie die ersten Persischen Tazis, nachdem ihnen der Handel ermöglicht wurde.

In der Shanxi Provinz liegt die damalige chinesische Hauptstandt Xi’an,  von wo aus viele chinesische Dynastien regierten, und wo der Sammelplatz für Händler und der Beginn der Seidenstraße war.

Heute gibt es den befederten Shanxi  Xigou, und den glatthaarigen Shandong Xigou.  Diese Varianten werden getrennt gezüchtet. In beiden kommt auch die gestromte Farbe vor.

Gestromt? Ja, und zwar seit Anbeginn ihrer Existenz in China vor ca. 1400 Jahren. Dieser Hund ist extrem schwarz gestromt.

Doch was passierte zu der Zeit in England? Zweihundert Jahre zuvor zogen die Römer wieder ab, und germanische Stämme, nämlich Angeln, Sachsen und Jüten fielen in das Land ein. Sie verjagten die Kelten und machten sich breit. Sie kamen übrigens teilweise aus dem heutigen Schleswig Holstein. Vor 1400 Jahren trugen irische und schottische Mönche das Christentum ins Land, man prägte nun Münzen und lernte lesen und schreiben. Von Kolonialisierungen anderer Länder ist also noch keine Rede, und schon gar nicht von gestromten Greyhounds, die sich irgendwo vermischten.

gestromter Shanxi Xigou

Man erkennt ohne Zweifel die enge Verwandtschaft zum persischen Tazi. Xigous sind im Durchschnitt allerdings deutlich höher, als andere orientalische Rassen, nämlich in der Regel über 70 cm bis zum Widerrist, somit quadratisch, offen in den Ellenbögen mit steiler Schulter. Doch am auffälligsten sind ihre schmalen Köpfe, die einen geraden Stirn – Nasenrücken aufweisen bis hin zur „römischen Nase“, einer konvexen Linie von der Hinterhauptsschuppe bis zum Nasenschwamm. Diese Ausprägung wurde sicher durch den Geschmack der Chinesen selektiv herausgezüchtet.

Diese drei kleinen Geisterchen sind hier zwei Monate alt. Die kleinen Shanxi Xigous haben nur einen konvexen Nasenrücken.

Betrachtet man diese Hunde heute, würde man sie als eigenständige Rasse bezeichnen mit einem nicht zu leugnenden Ursprung in Persien. Das ergibt Stoff zum Nachdenken, denn der Einfluß des Persischen Tazis auf den arabischen Saluki fand noch über 1000 Jahre früher statt, und doch werden heutzutage diese Varianten in westlichen Ländern  vermischt. 

Farben sind außerdem weiß, rot, schwarz und wildfarben. Nachfolgend einige dieser imponierenden Hunde.

weißer Shanxi Xigou mit ausgeprägtem konvexen Profil

Ein wunderschöner Shanxi Xigou mit wenig Stop und relativ geradem Nasenrücken.

Eine weitere Schönheit. Es ist deutlich zu erkennen, woher die Größe dieser Windhunde auch kommt, nämlich durch die sehr steile gestreckte Schulter. Dieser hochedle Rüde hat durchaus einen Kopf, wie wir ihn bei Persischen Tazis vorfinden.

Diese Hündin ist hellrot sable.

Lackschwarz und atemberaubend schön, wie ich finde.

Auch für diese große Hündin gilt, was ich bei dem roten Rüden geschrieben hatte. Sie ist allerdings sehr dunkelgrau. Und nein, diese Hunde haben auch keinen zu kurzen Unterkiefer, die Optik täuscht wegen ihres manchmal ziemlich runden Oberkopfprofils.

Auffallend ist, daß bei Persischen Tazis auch eine graue, silberne, schwarz silberne,  und zudem noch rote und broncefarbene Wildfarbe in unterschiedlich intensiven Schattierungen vorkommt, deren genetische Entschlüsselung 2012 noch nicht vorliegt. Somit hat diese Farbe auch noch keinen offiziellen Namen. In der westlichen Welt war sie bis zur Wende 1989 nicht bekannt. Jedoch,  je weiter man die Verwandten in Richtung Osten entdeckt, desto häufiger kommt sie vor. In der Katzenzucht wird sie aguti genannt. Ihre noch nicht wissenschaftlich definierte Farbe gibt es so nur bei Persischen Tazis und ihren Abkömmlingen, in keiner anderen Rasse sonst.

Hier sind nun fast alle Farben zusammen. Black & tan, Schecken oder grizzle findet man allerdings bei dieser Rasse nicht.

Fazit, wenn die gestromte Farbe von den Persischen Tazis vor 1400 Jahren mitgebracht wurde, dann gab es sie auch bereits vorher in Persien. Das ist logisch, nicht wahr?

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Chaoxian Chen, der mir gestattete, diese Bilder hochzuladen.

 

 

Carvan Hound

der indische Vetter des Persischen Tazi

 

Das  Großpersische Reich wurde von König Kyros II ( Cyrus II ) begründet. Er bezwang den mächtigen Mederkönig Astyages, welches ihm viele weitere Länder eintrug. Sein Reich umfaßte zu seiner Regierungszeit 559 - 530 v. Chr. das Gebiet der heutigen Türkei, Iran, Irak, Syrien, Jordanien, Arabien, Israel, Sinai, Armenien, Turkmestistan, Usbekistan, Teile von Kasachstan, Tadschikistan, Pakistan, Teile von Afghanistan und Teile von Punjab, Indien. Das Reich ging bis an die chinesische Grenze heran. Kyros II schrieb die erste Menschenrechtscharta nieder, den sogenannten Kyros Zylinder. Er ließ Sklaven frei, gestattete Religionsfreiheit und war sehr sozial Armen gegenüber.

 

Der Caravan Hound ist ein indischer Vetter des Persischen Tazi. Auch hier kann man annehmen, daß die ersten Rassevertreter zur Zeit von Kyros II ins Land kamen, denn das Persische Reich schloß auch das Ländereck im östlichen iranischen Hochland, im Süden Afghanistans und Norden von Pakistan ein. Dieser Landstrich hieß früher Belutschistan.
 
Weiter nördlich liegt Punjab, auch dieses Gebiet gehörte zum Großpersischen Reich. Entsprechend der Klimatischen Bedingungen hatten diese Hunde zum Teil starke Befederung entwickelt, waren an den Rückseiten der Beine manchmal sogar wollig behaart.

In den folgenden Jahrhunderten unterhielt Indien einen regen Handel mit Arabien und anderen Ländern. Waren wurden auf Kamelen verladen, auch kamen hier Persische Tazis mit Karawanen mit. Die Inder nannten sie Karwani, woraus im 20. Jahrhundert die britische Kolonialmacht in phonetischer Anlehnung Caravan Hounds machte. Es ist naheliegend, daß sie auch aus Arabien kurzhaarige Salukis erhielten, denn in Indien gibt es kurzhaarige, und mehr oder weniger leicht befederte Windhunde.

Carvan Kurzhaar Hündin namens Mental, sie geht auf den arabischen Slughi Nedj zurück.

Die Umayyad Dynastie von sunnitischen Kalifen gewannen in Nordwest Indien Einfluß, auch hier liegt die Möglichkeit nahe, daß auch Arabische Salukis nach Indien mitgebracht wurden.

Ein weiteres Indiz für die Migration von Persischen Tazis und Arabischen Saluki ist die Islamisierung in den Jahren 661 – 750.

Zumindest diese Hündin repräsentiert einen Übergangstyp zum Xigou.

Ein weiterer Vorstoß erfolgte durch den Samanidengeneral Sebuktin, der im Norden Afghanistans einen Militärstaat gründete. Sein Nachfolger Sultan Mahmoud 998 – 1030 machte Gazna zur Basis für seinen heiligen Krieg gegen Indien, integrierte die persische Kultur und feierte glänzende Siege. 1002 schlug er eine Invasion einer türkisch chinesischen Allianz erfolgreich zurück, um sich danach völlig der Missionierung Indiens hinzugeben mit dem Ergebnis, daß er der reichste Monarch seiner Zeit wurde.

Durch diese Zeitgeschehnisse wird eine stete Interaktion zwischen Persien bis China und Indien offenbar, zumeist unter der Vorherrschaft Persiens. Die Jagd mit den mitgebrachten Persischen Tazis war beim Adel und höher gestellten Persönlichkeiten üblich und vom indischen Adel gerne übernommen.  

In Indien hat man hingegen auch andere Bezeichnungen neben Caravan Hound. Diese Namen sind Pashmi, in Anlehnung an den Begriff pashm, und was langhaarig bedeutet. Pishuri, bedeutet von Peshawar in der nordwestlichen Grenzprovinz von Pakisten an der afghanischen Grenze. Auch kennt man die Bezeichnung Lahori und meint aus Lahore in Pakistan stammend. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, daß man in Indien etliche Sprachen spricht, manchmal nur wenige hundert km weiter eine andere.

Im 13. Jahrhundert siedelten Perser und andere Moslime im nördlichen Teil von  Hyderabad ( Haiderabad ). Die Amtssprache wurde persisch. Auch sie brachten ihre Persischen Tazis mit, mit denen sie auf die Jagd gingen. Aus dieser Epoche gibt es einige Jagdszenen, die Maler festhielten.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich somit wieder ein weiterer eigener Zweig des Persischen Tazi. Manche Hunde scheinen unverändert, das Gros hingegen ist stämmiger geworden, jedoch immer noch sehr edel. Die wildfarbigen Hunde sind nicht selten, auch fallen gestromte und scheckige Hunde neben den anderen typischen Farben.

Die gescheckte Farbe ist bei befederten sowie kurzhaarigen Hunden obligatorisch.

Ich bedanke mich bei Aalok Sthapak für die Erlaubnis, Mentals Bilder hochladen zu dürfen.

 

Hier folgen in Kürze noch einmal die arabischen Salukis, die sich in Slughi Shami, Slughi Nedj, Slughi Yamani und Slughi Omani aufteilen.

Damit ist die Verbreitung des Persischen Tazi logisch, so, wie er etwas später durch seinen Sohn Kambyses II auch Einfluß auf den Arabischen Saluki nahm. Es entwickelten sich in den folgenden 2400 Jahren weitere Schläge, die sich ihren neuen Lebensräumen und veränderten Umweltbedingungen von Zentralasien bis nach Indien und China anpaßten. 

 

 

 

 

 

 

 

Quo vadis, Saluki?

 

Betrachtet man Salukis im Jahre 2010, die im Showring vorne stehen, so haben diese Hunde lediglich nur noch eine entfernte Ähnlichkeit mit den Hetzjägern aus dem Ursprungsgebiet.

Hunde mit einer überladenen Befederung, oder gar keiner, mit überwinkelten Gelenken und einem veränderten, salukiuntypischen Charakter sind auf Europas Ausstellungen groß in Mode.

Welcher Orientale sucht sich seinen Jäger schon nach dem dressurpferdeähnlichen Gangwerk aus? Welcher Orientale verschwendet auch nur einen Gedanken an einen Hund, der überhaupt kein Interesse an Jagd zeigt?

Hunde stehen auf Ausstellungen vorne, die wie Schlaftabletten ohne Feuer durch den Ring traben, aber vorn weit ausholen. Daß, wie in einem von mir nicht zum ersten Male beobachteten Fall ein Hund mit seinen Vorderpfoten stark einwärts stand, zudem im Vorderfußgelenk ( fälschlicher Weise Knie genannt ), extrem nach vorn durchbiegig war, BOB ( best of breed ) bekam, ist wieder ein Sargnagel mehr an der wundervollen Rasse. Bei diesem Hund wunderte man sich, daß er anatomisch überhaupt in der Lage war, ohne Sturz zu stehen, geschweige denn zu traben.

Daß häufig der persönliche Geschmack eines Zuchtschaurichters bei gleichwertigen Hunden ausschlaggebend sein darf, ist m.E. auch völlig legal. Doch leider wird auch häufig "das andere Ende der Vorführleine" gerichtet. Oder aber, der Zuchtschaurichter ist selbst mit Ausstellern züchterisch verquickt, und stellt deren Hunde nach vorn, die mit seinen eigenen verwandt und versippt sind. Oder aber, es werden Hunde hochgejubelt, gewinnen, und deren engste Verwandtschaft mit einem anderen Zuchtstättennamen fallen hinten herunter, weil dieser aus irgend einem Grund zur Zeit nicht en vogue ist.

Nun, das ist alles nicht neu. Aber wenigstens gab es ein Gegengewicht bei Windhundrennen. Die Hunde, die hier vorne standen, entsprachen allesamt dem ursprünglichen Typ des Saluki, besser Persischen Tazi, die ja bis zum Ende der 80er Jahre hier unvermischt so existierten.

Ich erinnere aus 1/4 Jahrhundert Renngeschehen nicht einen einzigen erfolgreichen Rennhund, der eine dermaßen starke Winkelung aufwies, wie viele Ausstellungshunde heute. Schlicht und ergreifend, sie KÖNNEN auch gar nicht schnell laufen. Ferner können sie auch keine gescheiten Coursings laufen, weil sie ohne gesundheitliche Spätfolgen auch gar nicht diese manchmal extremen Kurven beherrschen können. Der Grund liegt in der Kraftübertragung, die bei extremer Winkelung zu lang dauert und "nachfedert". Die Folge sind Stürze mit eventuellen Verletzungen, u.a. Dehnungen von Kreuzbändern, also Sehnenschäden. Das kann einen Sehnenfaserriß oder bis hin zum Sehnenabriß bedeuten. Nicht selten werden aber solche Hunde auf Coursings überbewertet, da die Feldrichter die Hunde sehr gut den befreundeten Besitzern zuordnen können. Ich habe selbst neben einem Feldrichter gestanden, der einer Hündin bereits die höchste Punktzahl für seinen Bereich bescheinigte, ohne, daß diese überhaupt schon heran war. Auch habe ich gesehen, wie eine Hündin in der Mitte des Feldes stehen blieb, hin und wieder zaghafte holprige Galoppsprünge in Richtung des ernsthaft jagenden Partners machte, aber ihr Radius betrug nicht mehr, als vielleicht 50m. Doch sie gewann das Titelcoursing! Während ihres Laufes fragte ich die Besitzerin, was denn mit der Hündin los sei, ob sie verletzt ist? Sie war selbst auch sehr unangenehm berührt und in Sorge. Solche Gefälligkeitsbewertungen zielen an dem Qualitätserhalt einer Rasse vorbei. Leider sind solche Erscheinungen häufig Gang und Gäbe.

Hier habe ich lediglich die anatomischen Auswüchse, sowie die Gefälligkeitsbewertungen benannt, die einen Saluki für seine ursprüngliche Aufgabe unbrauchbar machen. Doch das ist nicht alles.

Es geht ganz schnell, daß man Hunden ihre ursprüngliche Mentalität wegzüchten kann. Jahrtausende hindurch gepflegte Eigenschaften gehen nach wenigen Generationen genetisch verloren. Genau so, wie man bei der Epigenetik beschrieben, der Umwelt angepaßte Veränderungen genetisch manifestieren kann, die z. B. der Ergänzung einer Aufgabe oder Fellausstattung dienen. Genau so kann man wichtige Merkmale vernachlässigen oder sogar unterbinden.

Doch was haben wir denn dann? Wir haben Abziehbilder einer vormals bewunderungswürdigen Rasse, die über Jahrtausende zum symbiotischen Zweck als Jagdhelfer für den Jäger gezüchtet, bewundert und respektiert wurde. Ein Hund, der noch nicht einmal in der Lage zu sein scheint, ein im Wind davon getragenes Papiertaschentuch zu jagen, ist lächerlich. Über das, was wir hier heute in den Vordergrund schieben, haben die orientalischen Menschen sicher nur ein müdes Lächeln und Erstaunen über.

Ich frage mich angesichts der vielen Neuzüchter, die alle den gleichen zwei oder drei Ausstellungszüchtern nacheifern, ob sie sich überhaupt über ihr Tun und ihrer Verantwortung bewußt sind.

Entweder, wir schaffen hier einen europäischen ( westlichen ) Salukoiden, oder aber, wir nehmen die Herausforderung an, ein Jahrtausende altes lebendes Kulturgut zu achten, ehren, pflegen und zu bewahren.

Meiner Meinung nach gibt es nur diesen einen ehrlichen Weg.

Dieser Rüde siegte als der schönste Saluki einer Ausstellung. Betrachtet man sein Gangwerk, so fällt auf, daß er "seine Hinterhand verächtlich nach hinten weg wirft". Genau das möchte man gerne bei Afghanen sehen, aber keinesfalls bei Salukis!

Der selbe Hund, mit nach innen gestellten Vorderpfoten, dabei mit nach vorn durchhängenden Vorderfußwurzel Gelenken. Das ist ein gravierender anatomischer Fehler.

Pfoten müssen etwas nach außen gedreht sein, damit der Hund bei der Jagd besser Balance halten kann. Man kann es vergleichen mit einem Sportwagen, bei dem die Reifenspur verbreitet wurde, um in Kurven eine bessere Bodenhaftung zu erreichen.

Dieser Rüde trabt energisch, raumgewinnend, kräftig und ökonomisch. Seine Hinterhand fußt zudem früher ab, er hat einen guten Schub aus der Hinterhand. Seine Bewertungen reichen von sg über V bis zum CAC Reserve.

Es gibt einen Standard, nach dem man sich richten muß. Die Zuchtrichter haben eine große Verantwortung. In ihren Händen liegt es, den jahrtausende alten Salukityp zu erhalten, nicht an den Züchtern! Man kann bei Züchtern nicht unbedingt voraussetzen, daß sie den Ursprungstyp erhalten, wenn sie fast nur noch als Lückenfüller einer Schau fungieren. Den Frust möchte keiner haben. Auch ist ein zurückhaltendes Wesen typisch für unsere Rasse, doch solche Hunde werden oft genug vom Richter ausgemustert oder abgewertet. Stoisch da stehende Denkmäler hingegen aufgewertet. Und so züchten viele Neulinge hemmungslos zusammen, was den Richtern gefällt. Und genau das ist eine ernste Gefahr für unsere Rasse, sie wäre nicht die erste, die somit innerhalb kürzester Zeit kaputt gezüchtet wurde. Die Afghanen, Greys und teilweise Whippets hat man ja bereits ruiniert und in Lager gespalten.

Dem Siegerrüden links sieht man den dressurpferdemäßigen schwebenden Trab an. Seine überwinkelten Gelenke, sein langer weicher Rücken sind unzweifelbar ein Indiz dafür.

Der Rüde rechts hat einen wunderschönen Kopf und Ausdruck, was jedoch nach der Vorderhand zu sehen ist, mutet wie ein angesetztes Stück eines anderen Wesen an. Der kurze Rücken erinnert an einen Karpfenrücken, ferner hat der Hund eine abgeschlagene Kruppe, ist an der Grenze hinten steil gewinkelt, dadurch überbaut.

Doch wie kommt es dazu? Betrachten man beide Hunde, so repräsentieren sie die ungefähren jeweiligen Grenzen von gestatteten Winkelungen von ... bis. Richten Sie nun Ihr Augenmerk auf die Hüfthöcker beider Hunde und dann ziehen sie einen Winkel hin zum Sitzbein, dann werden sie eine offene Winkelung links sehen, einen knappen Winkel rechts. Diese Winkelung zieht alle weiteren anatomischen Begebenheiten nach sich. Die Ober- und Unterlinie entsprechen nicht mehr dem Standard.

Der erste Hund ist ein Abkömmling einer Schauzucht, der rechte teilweise auch, zudem ist er verwandt mit der Zucht des Richters.

Meine Kritik ist aus dem Blickwinkel einer Züchterin dieser Rasse zu sehen, keinesfalls soll die Liebenswürdigkeit dieser Hunde dadurch geschmälert werden. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Darum nenne ich weder die Namen der Hunde, der Besitzer, Ort und Datum von Ausstellungen. Ferner stellen die Fotografien lediglich eine Momentaufnahme dar.

 

Geschichtliches über die deutsche Salukizucht seit dem 2. Weltkrieg

Ich bin nun seit 25 Jahren "in Salukis". 1985 waren 2533 Hunde seit 1922 in Deutschland gezüchtet worden, also eine überschaubare Population. Geht man nun von diesem Datum 8 Jahre zurück, so war man bei der Zuchtbuchnummer 1842. Das waren exakt 691 gezüchtete Salukis in 8 Jahren. In dieser Zeitspanne gab es wenige große Züchter, nämlich el Riad, Mata salamatas, Bigalla's und Min Ma Sha. Die anderen Züchter hatten nicht viele Würfe, oder starben ( el Ghazal, TA Dr. Peter Faulstroh - Mumtachir ar rih, Marianne Hessing - el Saraje, Theodore Knussert ). Geht man von einer durchschnittlichen Wurfstärke von 6,9 Welpen aus, so kann man sich leicht ausrechnen, wie überschaubar alles war!

Einige Salukis wurden Pets, andere waren auf Rennen und Ausstellungen aktiv, man kannte sie und sich untereinander als kleine Salukifamilie. Starb ein Saluki, ging es via Telefon rasant durch die Szene, aus dem Sterbegrund wurde auch selten ein Geheimnis gemacht, man nahm in der Regel Anteil.

Nicht alle Hunde waren gesund, manche litten an Epilepsien, waren Einhoder oder hatten Herz- und Zahnfehler. Sie waren damals alle irgendwie mit el Saraje verwandt, denn diese Fehler oder Krankheiten durchzogen diese Zuchstätte. Kamen dann Nachfahren in anderen Zuchtstätten wieder zusammen, so traten diese Fehler wieder auf. Das geht so bis heute, und die derzeitige riesige Salukizüchterpopulation hat längst den Überblick und die Zusammenhänge aus den Augen verloren.

Nun will ich keinesfalls mit dem Finger auf el Saraje weisen. 1945 / 46 grassierte überall die Staupe und raffte bei Theodore Knussert bis auf zwei Wurfgeschwister alle Salukis hinweg, es war damals fast ein Genozit unter allen Hunden.

Diese beiden Wurfgeschwister entsprangen bereits einer Inzuchtverbindung, und Th. K. züchtete 4 Würfe mit diesen Hunden. Es war damals schwierig, im Nachkriegsdeutschland durch die Zonen zu reisen, auch gab es kaum mehr Salukis in D. Frau Knussert war ca. 30 Jahre züchterisch aktiv, in der Zeit hatte sie meiner Erinnerung nach lediglich eine handvoll outcrosses, wobei diese aber zumeist zu 50% auf ihre Zucht zurück gingen. In ihrem armen Gen Pool züchtete sie absolut schöne und attraktive Weltsieger, aber auch Salukis mit all diesen oben genannten Erkrankungen. Auch waren viele ihrer Hunde absolut scheu.

Peter Faulstroh wurde ihr Partner, aber da sie unterschiedliche Auffassungen hatten, trennten sie sich wieder. Er wollte Direktimporte in die Zucht einbringen, sie wollte das nicht. So nahm er seine von Prof. Knopf geliehene Imp. Hündin Aini für den Rüden Raqqas el Saraje unter dem Namen Sayyadin al Jesira, bis er später seinen eigenen Zwingernamen el Ghazal bestätigt bekam, und unter diesem Namen weiter züchtete. Adad und Arsak Sayyadin al Jesira gingen in die Zucht, sie hatten Zahnfehler. Unser ehem. Zuchtleiter Hermann Bürk nahm einen dieser Rüden und zog Bahram el Batal. Seine Abstammung: Adad Sayyadin al Jesira ( Raqqas el Saraje x Aini ) und E' Nisaba el Saraje ( Abdullah el Shamar x Peribanu el Saraje ).

Bahram war recht erfolgreich auf der Rennbahn und auf Ausstellungen und er produzierte damals 10 Würfe in Deutschland und Tschechien. Das war bei der damaligen Population unglaublich viel, und so findet man fast keine Würfe mehr, die nicht diesen Rüden irgendwo in ihren Ahnentafeln haben. Traf er auf andere Nachfahren von el Saraje, so war die Wahrscheinlichkeit zu diesen und weiteren ererbten Erkrankungen traurige Wahrscheinlichkeit. Besonders heftig traf es die Zuchtstätte el Tazi Mo, die nicht mehr aktiv ist. Andscha litt unter autoimmun Erkrankung ( 3/4 el Saraje ), starb früh. Der B Wurf war eine Vater - Tochter Verbindung, Arsak deckte seine Tochter Oriafa el Ghazal. In dem Wurf fielen zwei Rüden, Baasram und Balash. Ich meine, daß es Baasram war, der auch unter autoimmun Erkrankungen litt, und ständig lahmte, Verbände trug. Dieser Wurf mit der Leihhündin Oriafa war eine Wurfwiederholung eines Unfallwurfes, der nicht eingetragen wurde. Die Hunde des Vorgängerwurfes waren alle sehr schön und edel, aber litten an Epilepsien, starben jung.

Der D Wurf hatte von der Vaterseite sowie von der Mutterseite el Saraje Blut und die Hündin Dehschat einen zu kurzen Unterkiefer, welches zwar keine Krankheit, aber ein Schönheisfehler ist.

Der E Wurf war eine Verbindung, in der zwei Großväter auf der Vater- und Mutterseite Wurfbrüder waren. Diese Wurfbrüder hatten Bahram el Batal als Vater in ihren Pedigrees. Einige dieser Hunde waren im Rennsport aktiv, andere wurden aus den Augen verloren, weil sie Familienhunde, und nicht aktiv im Windhundgeschehen wurden. Enzohrossa litt an Epilepsien und bekam manchmal drei Anfälle täglich, bis er erlöst wurde.

Erst hier offenbahrte sich einigen Züchtern ein Zusammenhang. Man besaß einfach nicht das heutige Wissen und wollte ganz sicher nicht kranke Hunde züchten. Auf die Züchter mit dem Finger zu weisen, ist definitiv der falsche Weg, denn so trägt man nur zur Verheimlichung solcher Ausfälle bei, und das nutzt der Zucht ganz sicher nicht!

Tatsache aber ist, daß aus Selbstschutz vor Hetzkampagnen viele Züchter nicht über Erbkrankheiten in ihrer Zucht sprechen, neue Züchter sich ohne Hintergrundwissen in die Zucht stürzen, aus dem Ausland wild importieren, wo man nun fast gar nichts weiß, und somit zur Verbreitung von Erbkrankheiten beitragen.

Ende der 80er Jahre wurde es Mode, Hunde aus den USA zu importieren. Diese ( Kurzhaar ) Importe trugen mehrere Totumfaller und auch Epilepsie in diese Zuchtstätte. Nun ist Skandinavien in Mode. Skandinavien ist förmlich durchseucht mit kranken Hunden, damit will ich sagen, daß es dort meines Wissens überhaupt keine Ahnentafeln mehr gibt, wo nicht irgendwelche Vorfahren oder deren Wurfgeschwister an autoimmun Erkrankungen gestorben sind, oder Epileptiker waren. Gerade gegenwärtig ist eine Hündin vielleicht tragend von einem Rüden aus Skandinavien, der beide Erkrankungen im Pedigree führt, nämlich über die Wurfgeschwister von Ibn Ibiz und Rayyan Hilal.

Es wird mittlerweile unüberschaubar, und somit geht unsere Salukipopulation successive auch den Bach herunter, aus dem Bach wird ein schnell fließender Strom, dann ein Wasserfall.

Meine Mamnounas sind definitiv frei von Herzkrankheiten und Epilepsien, habe keinen Kryporchismus oder Totumfaller in meiner Zucht oder sonstige Erbkrankheiten. Meine Hunde sind ein ( in D wohl letztes ) genetisches Reservoir erbgesunder Hunde, welches Glück ist, welches aber auch mit nur einer suspekten Partnerwahl ruiniert werden kann. 

Krankheiten mendeln sich nicht so einfach aus, sie treten auch nach Jahrzehnten erneut auf, wenn die Zuchtpartner Träger des verantwortlichen Genes sind. Anlagen treten auch nach 8, 10 oder mehr Generationen wieder hervor, meist jedoch schneller.

In den USA hat man große Probleme bezüglich Herzerkrankungen und anderen Krankheiten. Wie leichtsinnig, ohne größtmögliche Gewißheit Hunde von dort in die hiesige Zucht einzusetzen. Und wenn man es schon macht, dann unbedingt zwei Würfe mit der Hündin, wobei der andere Zuchtpartner von hier und wirklich einwandfrei sein muß.